Stefan Grützner: Loslassen fällt schwer

Leimen, 21.08.2013 (News-Feed abonnieren)

Stefan Grützner: Loslassen fällt schwer

Von Martina Martin

           

Der Chemnitzer arbeitete 38 Jahre als Gewichtheber-Trainer. Als Aktiver gehörte er einst zur
Weltklasse. Mit nunmehr 65 Jahren hat er seine Tätigkeit beendet.

           

Chemnitz – Sie mussten beide schlucken, waren den Tränen nah. Denn zum Abschied überraschten sie sich gegenseitig mit wertvollen Geschenken. Stefan Grützner überreichte Max Lang seine goldene Plakette von der Weltmeisterschaft 1971, als er Geschichte schrieb und den ersten WM-Titel für die DDR im Gewichtheben gewann. „Sie soll für ihn ein besonderer Anreiz sein, dass er weiterhin alles gibt, damit eine solche Medaille auch einmal um seinen Hals hängt“, begründete der Coach. Sein Schützling wiederum übergab seinem langjährigen Betreuer den wertvollen Pokal aus Meißner Porzellan, den er am 1. Juni in Meißen, dem letzten gemeinsamen Wettbewerb, zum zweiten Mal erkämpfte. „Herrn Grützner habe ich alles zu verdanken. Ihm schenke ich diese Trophäe“, verriet er damals unmittelbar nach der Entscheidung, wie er sich ganz persönlich erkenntlich zeigen wollte. Wobei er auch wusste, dass sein Trainer als Aktiver nie bei diesem Traditionsturnier ganz oben stand.

Zwei Wochen später, bei einer kleinen Abschiedsfeier lüfteten sie dann gegenseitig ihre Geheimnisse. Max Lang, der zu den hoffnungsvollsten Talenten Deutschlands gehört, wechselte an den Bundesstützpunkt nach Leimen und in die Bundeswehrsportfördergruppe, Stefan Grützner als nun 65-Jähriger in den wohlverdienten Ruhestand. Mit dieser Bezeichnung für das Rentnerdasein möchte er sich jedoch überhaupt noch nicht anfreunden.

Im Verein weiter dabei

Mehrmals pro Woche führt sein Weg nach wie vor in das Reichenbrander „Haus des Gastes“, das Domizil seines Chemnitzer Athletenclubs (CAC) und des Bundesstützpunktes, den er über zwei Jahrzehnte leitete. So arbeitet er seinen Nachfolger Petr Hruby ein, kümmert sich um den Finnen Miika Antti-Roiko, der seit Anfang August hier trainiert und künftig das Bundesligateam verstärkt. Auch schaut er noch ab und an bei Übungseinheiten zu, gibt Ratschläge. Außerdem arbeitet er weiter im Vorstand des Vereins mit.

„Ehrlich gesagt, ich hätte es mir leichter vorgestellt. Nach all den Jahren von heute auf morgen aufzuhören, ist schon schwierig. Ich kann einfach noch nicht loslassen“, gibt Stefan Grützner unumwunden zu, dass die neue Situation nicht so einfach zu bewältigen ist. Dabei klagt er gerade jetzt in den Sommermonaten keinesfalls über Langeweile. Er genießt schon die gemeinsame Zeit, die er jetzt mit seiner Frau Gudrun oder den Kindern und dem zweijährigen Enkel Carl im Garten verbringen kann, ohne dass ihm der nächste Termin im Nacken sitzt. Das Ehepaar unternimmt zudem sehr viel, besuchte erst in der vergangenen Woche das Musical von Udo Lindenberg in Berlin und die Aufführung der West Side Story in der Dresdner Semperoper. Auch nehmen beide an einem Englischkurs teil, pflegen jetzt noch intensiver ihren Freundeskreis, werden sich im Seniorenkolleg der TU anmelden.

Vollbluttrainer mit Leidenschaft

Natürlich gibt es auch Pläne für weitere Fernreisen, mit denen sie auch bisher schon am liebsten ihren Urlaub verbrachten. Eine Karibik-Kreuzfahrt im November ist schon gebucht, eine Tour durch Indien ein weiteres Ziel. „So lange wir fit sind, wollen wir noch viel von der Welt sehen. Wir stemmen uns gegen das Rentnerleben“, lacht Stefan Grützner, der zudem gern handwerklich tätig ist und da ein vielfältiges Betätigungsfeld sieht. „Die Finnhütte in unserem Grundstück habe ich selbst konstruiert und gebaut“, ergänzt er nicht ohne Stolz.

Nachdem er 1975 seine eigene Karriere und gleichzeitig sein Studium an der DHfK in Leipzig beendet hatte, wechselte er sofort die Seite. Insgesamt 50 Jahre blieb er so seinem sportlichen Metier treu, konnte sich nie eine andere Tätigkeit vorstellen. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, war immer Vollbluttrainer mit Leidenschaft. Denn wer diese nicht hat, wird nie erfolgreich“, ist Stefan Grützner überzeugt. Dabei versuchte er immer die richtige Balance zwischen dem sprichwörtlichen „Zuckerbrot und Peitsche“ zu finden. „Klar musste ich energisch sein, konnte auch mal verrückt werden. Aber gleichzeitig habe ich Entscheidungen aus dem Gefühl heraus getroffen, manches Mal, auch mit väterlichem Instinkt, mehr das Herz als den Verstand sprechen lassen“, erzählt der Fachmann. Was so einfach klingt, das war es nicht immer: „Die meisten Athleten betreute ich ja in der pubertären Phase zwischen 14 und 18, wo sie ihren Weg erst finden müssen.“

Bis 2002 lag vorrangig der Nachwuchs in seiner Verantwortung, gab er die Akteure in der Regel ab einem bestimmten Alter weiter an seinen Kollegen Klaus Kroll, der die Spitze betreute, weiter. So hatte er fast alle Heber, die sich später international behaupteten, unter seinen Fittichen. Zu ihnen gehörte Joachim Kunz, Olympiasieger, Welt- und Europameister. Die vergangenen 11 Jahre kümmerte er sich ebenso um die Asse, bereitete Ingo Steinhöfel auf seinen fünften Olympiastart 2004 vor, führte Kathleen Schöppe zu zwei EM-Medaillen. Dabei schmerzte es ihn sehr, dass seine Meisterschülerin beim kontinentalen Championat 2012 hauchdünn die Olympiaqualifikation für London verpasste. Bei denselben Titelkämpfen erlebte er aber auch eine seiner Sternstunden im Beruf, als sein langjähriger Schützling Tom Schwarzbach überraschend Gold erkämpfte.

Erster Erfolg als Skispringer

In seiner aktiven Zeit schaffte es Stefan Grützner zu zwei WM-Titeln, Olympiabronze 1972 sowie weiteren sieben Medaillen bei WM und EM. Im Chemnitzer Ortsteil Reichenbrand aufgewachsen, versuchter er sich als Kind in verschiedenen Sportarten wie Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik, brachte es zum Kreismeister im Skispringen. Ab 1963, als die Gewichtheber des SC Karl-Marx-Stadt ihr Training in den Gasthof – eben ganz in seiner Nähe – verlegten, begann er sich mit den Hanteln zu beschäftigen. Bereits nach drei Jahren ließ er als Jugendlicher mit dem Sieg bei der DDR-Spartakiade aufhorchen. 1970 gelang ihm der internationale Durchbruch. Nachdem ihm 1973 kurz vor der EM eine Blinddarm-Operation ausbremste und er später weiter mit Verletzungen zu kämpfen hatte, hörte er 1975 als Aktiver auf.

Den Werdegang seiner Athleten verfolgt er wie von jeher selbstverständlich weiter mit großem Interesse, ist bei den Bundesligavergleichen auch künftig dabei. „Ich werde zwar sicher ebenso aufgeregt sein, aber dann als Zuschauer inmitten des CAC-Fanclubs. Dieser hat mich zum Ehrenmitglied ernannt“, berichtet Stefan Grützner von einer netten Begleiterscheinung, die ihn ebenso freut wie noch manche Anfrage nach Autogrammfotos. Erst kürzlich erhielt er einen Brief aus China mit der entsprechenden Bitte und einem Foto, das auch er noch nicht von sich kannte.

Quelle: Freie Presse

 

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