Deutsche Meisterschaften der Männer und Junioren in Chemnitz

Leimen, 15.12.2010 (News-Feed abonnieren)

Deutsche Meisterschaften der Männer und Junioren in Chemnitz

 Steiner bedankt sich in Chemnitz mit drei Meistertiteln

 Im deutschen Gewichtheben kommt das Beste durch den Besten zum Schluss. Auch im „Haus des Gastes“ des Chemnitzer AC warteten bei den Deutschen Meisterschaften Zuschauer, Sportler, Trainer, Funktionäre und Journalisten gespannt bis zum Ende, der letzten Entscheidung im Superschwergewicht, bis der Lokalmatador und „stärkste Mann der Welt“, Matthias Steiner, endlich die Bühne betrat. Bereits drei Stunden vor seinem Auftritt begannen die eifrigen und erfolgreichen Organisatoren des Teams um Präsident Peter Waldvogel, die Trennwände zu öffnen und zusätzlichen Platz im Zuschauerraum zu schaffen.

Über 800 Besucher verwandelten den Saal in ein Tollhaus, als Steiner um 17.12 Uhr am Samstagabend endlich und zum ersten Mal die Bühne betrat. Die Trommel löste Vibrationen in der Magengegend aus, die Menschen klatschten und johlten, die Atmosphäre im „Haus des Gastes“ ähnelte eher der in einem Bierzelt als in einer Sporthalle. Diese Vorfreude hatte Matthias Steiner nicht enttäuschen wollen, obwohl seine Motivation am DM-Start nach dem WM-Triumph und leichten gesundheitlichen Problemen nicht besonders hoch gewesen war. Doch in Chemnitz, das hatte er noch in Antalya gesagt, da wollte er antreten, da, wo seine gewichtheberische und private Wiege in Deutschland stand, wo er nach wie vor Bundesligapunkte für den Chemnitzer AC sichert und wo er in Peter Waldvogel einen wichtigen Unterstützer vor allem in den ersten schwierigen Jahren vor dem Olympiasieg hatte. Doch der Triumph von Peking, die Ehrungen und zahlreichen öffentlichen Auftritte haben Steiners Charakter nicht verändert, er kennt und lebt Dankbarkeit nach wie vor.

Und so steigerte er sich in den Wettkampf hinein, den er ja praktisch schon gewonnen hatte, bevor er begonnen hatte. Denn sein härtester Konkurrent im Superschwergewicht, WM-Heber Almir Velagic, fehlte nach der operativen Entfernung eines freien Gelenkkörpers im Ellbogen. Der Vize-Europameister hatte Steiner noch im Vorjahr den Titel im Reißen weggeschnappt. Doch Steiner brauchte keine Konkurrenz dieses Kaliber zu fürchten, von 175 steigerte er sich über 180 zu schließlich 185 kg und holte seinen ersten nationalen Titel in dieser Einzeldisziplin. Im Stoßen gab er eine ähnlich souveräne Vorstellung, setzte 210 kg um, als habe er eine Kiste Mineralwasser in der Hand, steigerte erfolgreich auf 220 und im letzten Versuch auf 230 kg. Mit einem kämpferischen Jubelschrei wuchtete er die Last nach oben und freute sich sichtlich über den Erfolg mit 415 kg im Zweikampf, einer ohne Frage beachtlichen Leistung. „400 kg waren geplant, von daher bin ich sehr zufrieden”, sagte der Olympiasieger. „Bei so einem Wettkampf ohne direkte Konkurrenz muss ich mir immer eine neue Motivation suchen – und ich muss gültige Versuche produzieren, denn auch hier war das Fernsehen da.” Ein Team des Mitteldeutschen Rundfunks drehte die letzten Entscheidungen.

Steiner und Spieß souverän

Ungefährdet wie Steiner agierte Jürgen Spieß im Schwergewicht. Nach seiner schwächeren Vorstellung von Antalya in der 94-kg-Klasse freute er sich besonders über seine drei gelungenen Versuche im Reißen, für ihn eher eine Wackeldisziplin. Doch Spieß hob nacheinander 160, 165 und 170 kg, und nach dem dritten Versuch ballte er die Faust und deutete damit an, dass diese Vorstellung für ihn eine gewisse Erleichterung, eine Befreiung von dem WM-Ballast gewesen war. Im Stoßen setzte er den Erfolgsweg fort, schaffte noch einmal drei gültige Versuche und musste sich am Ende mit René Horn sogar noch um den Titel im Stoßen duellieren. Doch seine 207 kg reichten ihm, das ist für Spieß zu diesem Zeitpunkt acht Wochen nach der WM eine beeindruckende Leistung. Auf dieses Duell darf man sich in Zukunft freuen, denn die DM war für Spieß der Startschuss in der höpheren Gewichtsklasse bis 105 kg. „Er wechselt in die höhere Kategorie”, sagte Cheftrainer Frank Mantek. Damit ziehen Coach und Schützling die Konsequenz aus dem schwachen WM-Abschneiden, das sie vor allem dem harten Gewichtmachen von mehr als drei Kilo anlasteten.

Auch René Horn zeigte mit insgesamt sechs gültigen Versuchen, dass er stark heben kann. Das war ihm bei der WM nicht gelungen. Besonders jubelte der Nationalheber aus Frankfurt an der Oder über seine 207 kg im Stoßen, mit denen er sogar an Gold in dieser Einzeldisziplin schnuppern durfte. Doch Spieß legte nach und war damit einfach besser, weil er bei gleicher gehobener Last der leichtere Heber war.

Sehr frühe Entscheidung

Markus Krümmer kostete den Auftritt vor seinem heimischen Publikum voll aus. Als Matthias Hecht, der mit 149 kg im Reißen Gold gewonnen hatte, seinen letzten Stoßversuch der Klasse bis 94 kg mit 178 kg gültig gemacht hatte, war der Sachse zu dieser entscheidenden Teildisziplin noch nicht erschienen. Er begann sein Solo, als die Konkurrenz alle Gewichte zur Seite gelegt hatte. Krümmer ließ sich feiern, ließ die Pausen zwischen seinen Versuchen künstlich durch Hantelputzen und Bodenwischen durch die fleißigen Hantelstecker verlängern. Nach 180 kg und dem Sieg im Reißen sicherte er sich im zweiten Versuch mit 184 kg Gold im Zweikampf, um mit 190 kg noch einen an sich unnötigen Showversuch zum Genießen draufzupacken – Genuss für ihn und das Publikum. Und er erfüllte in Chemnitz noch eine andere Funktion: Im „Vorprogramm“ zum Steiner-Auftritt hatte er die Stimmung mächtig angeheizt.

Als die Entscheidung fiel, dachte niemand, dass er sie jetzt schon gesehen hatte. Doch der dritte Versuch des Robert Oswald im Reißen gab den Ausschlag um Gold und Silber in der Klasse bis 85 kg. Denn dem Frankfurter von der Oder misslangen jene 150 kg, die kurz zuvor Michael Müller in die Höhe gerissen hatte. Der Berliner wie Oswald stießen beide 180 kg im zweiten Versuch, beide scheiterten zum Abschluss an 184 kg, und so reichte Müller sein im Reißen erkämpfter Vorsprung auch zum Titel im Zweikampf. Im Stoßen holte quasi als Trostpflaster der um 100 Gramm leichtere Oswald die Goldmedaille.

Knallharte Ausscheidung

Jakob Neufeld hat seine hervorragende Form von den Weltmeisterschaften in Antalya bis zur „Deutschen“ nach Chemnitz hinübergerettet. Natürlich war der langjährige Mengeder nicht mehr in der Lage, im Mittelgewicht die WM-Leistung zu wiederholen, doch um sich der Herausforderung der Brüder André und Ronny Winter sowie von Martin Herberg zu stellen, reichte es noch immer. Das Gold im Reißen hatte der Obrigheimer glatt mit 141 kg zwei Kilo vor Martin Herberg erkämpft.

Das Stoßen wurde zu einem knallharten Ausscheidungsrennen. Zunächst erwischte es Ronny Winter, der erst im dritten Versuch mit 167 kg eine Last in die Zweikampfwertung brachte. Das war zu wenig, um die Medaillenplätze anzugreifen. Martin Herberg wartete lange, bis er zum dritten Stoßversuch antrat, dann entwickelte er seine bekannten kämpferischen Eigenschaften und stemmte in einem extrem schwer aussehenden Versuch 170 kg – Platz drei im Zweikampf nd Stoßen.

Zweikampf fiel praktisch aus

Jakob Neufeld und André Winter jedoch pokerten noch immer. Winter schaffte 174 kg im zweiten Versuch, Neufeld konterte und egalisierte. Damit fühlte er sich im Zweikampf der beiden mit 76,90 kg gleichschwer antretenden Heber für den Zweikampf sicher. Doch Winter hatte noch einen Versuch ausstehen, steigerte in zwei Schritten auf 180 kg, er wollte Gold im Zweikampf. Als der Neuhardenberger die Bühne betrat, blieben ihm nur noch 22 Sekunden, zwei Sekunden vor Ablauf der Zeit hob er die Last an – und setzte sie zum Erstaunen der meisten Zuschauer und zur Freude seiner Fans um. Der Ausstoß schien auch noch zu gelingen, doch nur kurz währte die Hoffnung, dann konnte er die Last nicht halten und ließ sie hinter dem Kopf zu Boden krachen. Neufeld hatte Gold im Zweikampf, Winter bei gleicher Last und gleichem Eigengewicht gegenüber Neufeld im Stoßen, weil er sie im zweiten statt wie Neufeld im dritten Versuch gemeistert hatte.

Der spannungsgeladene Zweikampf in der Klasse bis 69 kg fiel praktisch aus. Artyom Schaloyan, Olympiateilnehmer in Peking 2008, erwischte in Chemnitz einen rabenschwarzen Tag. Nur ein Versuch gelang ihm, im Reißen mit 126 kg, damit holte er Silber. Im Stoßen rechneten die zu diesem Zeitpunkt bemerkenswert zahlreichen Zuschauer – das „Haus des Gastes“ füllten etwa 500 Besucher – mit dem Angriff des Titelverteidigers, nachdem der Berliner Robert Joachim mit sechs Kilo Vorsprung und dem Titel im Reißen in Führung gegangen war. Doch Schaloyan versuchte sich dreimal vergeblich an 155 kg im Stoßen, beinahe kampflos überließ er Joachim die anderen beiden Titel. Der Berliner siegte glatt mit 292 kg (132 + 160).

Scholte als neuer Stern

Ein 17-Jähriger war der überlegene Heber in der leichtesten Männerklasse bis 56 kg. Philipp Scholte gewann mit sechs Versuchen fünf Gold- und eine Silbermedaille. Um ein Haar hätte er noch den deutschen Juniorenrekord im Stoßen verbessert. Er hatte die Last von 126 kg schon über dem Kopf, wackelte und kämpfte, doch vieles sprach für einen gültigen Versuch. Das sah das Kampfgericht nicht so. Scholte schleuderte verärgert seinen Hebergurt über die Plattform. Ihm wurde ein vierter Versuch für den Rekord genehmigt, doch jetzt fehlte die Kraft, zu sehr hatte sich der Eibauer zuvor verausgabt.

Dennoch gewann er mit 207 kg (87 + 120) alle drei Juniorentitel und war bei den Männern Bester im Stoßen und Zweikampf. Lediglich im Reißen musste er sich Minh Tuan Dang beugen. Der langjährige Neuaubinger holte für den Berliner TSC mit 91 kg den Titel, brachte im Stoßen aber nur einen gültigen Versuch zuwege.

Sergej Dundukof vom hessischen Verein KSV Langen war in der Klasse bis 62 kg im Stoßen und Zweikampf überlegen. Mit 232 kg (103 + 129) erkämpfte er sich einen beruhigenden Vier-Kilo-Vorsprung im Zweikampf auf Benjamin Meisel. Der 34-jährige Stefan Bender konnte seine gute Form aus dem Reißen, das er mit 105 kg gewann, nicht in die zweite Einzeldisziplin hinüberretten und machte dort nur den zweiten Versuch gültig. Damit verfehlte er im Zweikampf als Vierter sogar noch das Podest.

Harald Strier

 

 

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